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letzte Änderung am 29.07.2008

Folsäure

Was ist Folsäure?

Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin der B-Gruppe, welches vor allem in grünen Gemüsesorten (z.B. Spinat) und Getreide vorkommt. Zur Herstellung der Erbsubstanz und für die Zellteilung selbst ist Folsäure ein notwendiges Vitamin. Ein Folsäuremangel kann daher zu Fehlentwicklungen des Gehirns und Rückenmarks führen.

Warum Folsäure ?

Auch bei ausgewogener Ernährung der Schwangeren kann Folsäure nicht in ausreichender Menge mit der Nahrung aufgenommen werden und es besteht somit   ein Folsäuremangel.

Seit 1995 besteht eine gemeinsame Empfehlung von fünf deutschen Fachgesellschaften[1] zur Durchführung der perikonzeptionellen Folsäureeinnahme. Diese Empfehlung basiert auf Daten weltweiter Studien, die die eindeutige Wirksamkeit des Vitamins Folsäure zur Reduktion von Neuralrohrdefekten nachgewiesen haben.

Wieviel Folsäure ?

Etwa 60-70% aller Neuralrohrdefekte (z.B. offener Rücken) lassen sich durch die Einnahme von 400 µg Folsäure mindestens vier Wochen vor der Befruchtung und in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft verhindern. Ist bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt in der Familie geboren worden, beträgt die Dosis der perikonzeptionellen Folsäure-Prophylaxe 4 mg (Abb.1).

Als Grundregel sollten alle Frauen mit Kinderwunsch - nach Beendigung der Schwangerschaftsverhütung - Folsäure einnehmen:

 

Die Pille nach der Pille

Abb.1: Dosierung der perikonzeptionellen Folsäureprophylaxe

 

Warum Nahrungsergänzung mit Folsäure ?

Folsäure-Tabletten haben gegenüber dem natürlichen Folat klare Vorteile. Die Folsäure wird schneller aufgenommen und besitzt die doppelte Bioverfügbarkeit. Wollte eine Schwangere ihren täglichen Bedarf an Folsäure mit der Nahrung decken, müsste sie täglich z.B. 600g rohen Spinat essen. Eine längere Einnahme vor und in der Schwangerschaft ist nicht nur völlig unbedenklich, sondern sogar gesundheitsförderlich.

Sachlage in Deutschland

Trotz der seit 1995 bestehenden allgemeinen Empfehlung zur Folsäureprophylaxe in Deutschland nehmen derzeit nur neun Prozent aller Schwangeren Folsäure zum richtigen Zeitpunkt ein. Jährlich werden in Deutschland etwa 1.600 Kinder mit einem Neuralrohrdefekt geboren. In der Region Rheinhessen war in den letzten Jahren ein signifikanter Häufigkeitsanstieg von Kindern mit Neuralrohrdefekten zu verzeichnen (Abb. 2).


 

Abb. 2  Prävalenzvergleich von NRD 1992-1998 (USA - Rheinhessen)

 

 

Dringender Handlungsbedarf

Aus internationalen Studien lässt sich für die normale Entwicklung des Neuralrohrs und anderer Organe des ungeborenen Kindes die Notwendigkeit der Folsäureprophylaxe vor und während der ersten Monate der Schwangerschaft ableiten. Trotz dieser Erkenntnisse ist eine perikonzeptionelle Folsäureprophylaxe in Deutschland nahezu nicht existent. Intensive Aufklärungs- und Werbekampagnen sind erforderlich.

In zahlreichen Ländern wie z.B. den USA, Kanada, Ungarn und Chile wird eine Folsäureanreichung des Mehls durchgeführt, um auch ungeplante Schwangerschaften erreichen zu können. In Deutschland besteht derzeit nur die Möglichkeit, die notwendige Prophylaxe durch eine perikonzeptionelle Folsäure-Einnahme durchzuführen.

Dieser Sachstand war Anlaß, in Rheinland-Pfalz eine intensive Folsäure-Präventions-Kampagne zu starten [Schirmherrschaft: Ministerpräsident Kurt Beck]. Eine wissenschaftliche Studie wird diese Kampagne begleiten und den positiven Effekt der Präventionsmaßnahmen dokumentieren (Geburtenregister Mainzer Modell, Universitätskinderklinik Mainz). Die Studie wird vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit unterstützt.

Folsäure für ein gesundes Leben von Anfang an

Perikonzeptionelle Folsäure-Einahme

    - führt zur Vermeidung von

       Neuralrohrdefekten bei Kindern

       Schwangerschaftsabbrüchen wegen eines Neuralrohrdefekts

    - erhöht die Wahrscheinlichkeit für ein gesundes Kind

 

Der Folsäure-Flyer  "Startet den Datei-Download Folsäure für ein gesundes Leben von Anfang an"
kann kostenlos beim Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie
und Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz per Fax (06131 / 16 17 20 20)
oder eMail bestellservice(at)masgff.rlp.de angefordert werden.