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letzte Änderung am 30.08.2006

Projekt - ICSI

Seit Jahren (1999 erste Ergebnisse), bestätigt sich in der Geburtenkohorte des Mainzer Modells ein erhöhtes Risiko für Fehlbildung nach Intra Zytopla smatischer Spermien Injektion (ICSI), einer modernen Methode zur künstlichen Befruchtung (Artificial Reproductive Techniques).

Hierzu eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse (5/2006):

 

Outcome der Kinder nach IVF / ICSI:
Ergebnisse des Geburtenregisters Mainzer Modell (1994-2004)

 

Annette Queisser-Luft
Geburtenregister Mainzer Model, Universitätskinderklinik Mainz

Einleitung

Die Anzahl ungewollt kinderloser Paare liegt in Deutschland derzeit bei  ungefähr 10-15%. Seit 1978 ist es möglich, mit Hilfe von In-Vitro-Fertilisation (IVF) diesen Paaren den Wunsch nach einem genetisch eigenen Kind zu erfüllen. Die Etablierung der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) hat 1993 die Behandlungsmöglichkeiten bei schwerer männlicher Infertilität revolutioniert. Schon seit Einführung der reproduktionsmedizinischen Verfahren, insbesondere nach ICSI wurden immer wieder mögliche Risiken und genetisch-teratogene Auswirkungen auf das Kind kontrovers diskutiert. Neben kindlichen Fehlbildungen ist derzeit unter anderem ein erniedrigtes Geburtsgewicht in den Blickpunkt des wissenschaftlichen Interesses gerückt.

Ziele

Die Prävalenzen angeborener großer Fehlbildungen nach ICSI / IVF werden ermittelt und sowohl untereinander als auch mit den Fehlbildungsprävalenzen spontan konzipierter Kindern verglichen. Die Grundlage der Analyse bilden die Daten der populationsbezogenen Kohorte des Geburtenregisters Mainzer Modell. Eine weitere Aufgabe ist der Vergleich der Geburtsgewichte - nach Mehrlingsstatus, Geschlecht und Schwangerschaftswoche adjustiert - von nach ICSI/IVF konzipierten und spontan konzipierten Kinder.

Patienten und Methoden

Während des Studienzeitraums 1994-2004 wurden 32.266 Lebendgeborene, Totgeborene, Spontanaborte (>15 SSW) und induzierte Aborte nach einem standardisierten Schema untersucht und anamnestische Daten erhoben. Eine populationsbezogene Fall-Kontroll-Analyse wurde durchgeführt, um Assoziationen zwischen großen Fehlbildungen (Outcome1), dem Geburtsgewicht (Outcome2) und anamnestischen Risikofaktoren (Exposure) zu erkennen. Als Fälle wurden alle Neugeborene mit großen Fehlbildungen (n=2.098) definiert, Kontrollen waren alle Neugeborenen und Feten ohne Fehlbildungen (n=30.168). Das Geburtsgewicht der spontan konzipierten Kinder wurde zu einer Normwertkurve aufgearbeitet und die Gewichte der Kinder nach ICSI- bzw. IVF-Behandlung statistisch verglichen. ICSI und IVF wurden als kausale Risikofaktoren mitgetestet. Die relativen Risiken wurden als OR mit 95%-Konfidenzintervallen (KI) dargestellt und die p-Werte auf Unterschied mittels x2-Test. Die verwendete statistische Software war SAS 8.2.

Ergebnisse

Große Fehlbildungen wurden bei 6,7% aller Kinder der Geburtenkohorte diagnostiziert. Im Register (32.266 Kinder) wurden im Studienzeitraum 1.455 (4,5%) Kinder nach einer Sterilitätsbehandlung geboren, davon 207 (0,6%) nach ICSI und 336 (1,0%) nach IVF Behandlung. Das errechnete univariate Fehlbildungsrisiko für Kinder nach ICSI lag bei einer OR von 2,7 (KI 1,9-4,0) und war damit sowohl gegenüber der spontan konzipierten Referenzgruppe als auch gegenüber den per IVF konzipierten Kindern [OR 2,3 (KI 1,3-3,9)] signifikant erhöht. Auch in dem multivariaten logistischen Regressionsmodell (Einbeziehung weiterer bekannter Risikofaktoren für angeborene Fehlbildungen) wurde für ICSI das erhöhte OR 2,7 (KI 1,9-3,9) bestätigt und auch für IVF keine veränderten Ergebnisse ermittelt. Insgesamt wurden bei 33 (16%) der Neugeborenen und Feten nach ICSI-Behandlung große Fehlbildungen diagnostiziert. Die Aufteilung nach Organkategorien erbrachte keine statistisch signifikanten Ergebnisse. Im Durchschnitt sind Kinder nach ICSI - nach entsprechenden Adjustierung - um ca. 6% leichter als spontan konzipierte Kinder. Dieser Befund wurde für die Kinder nach IVF nicht nachgewiesen.

Quintessenz

Der anamnestische und genetische Hintergrund von Paaren, die sich einer ICSI- oder IVF Behandlung unterziehen, ist als nahezu gleich anzusehen. Die ICSI- und IVF-Schwangerschaften sind generell al